Mike Shinoda über "Road To Revolution"

Beschreibe des Album in ein paar Worten

„Road to Revolution“ ist eine Art Momentaufnahme unserer Live-Shows am Ende des Tour-Zyklus mit “Minutes to Midnight”. 

Warum gerade in Milton Keynes?

Wir haben „Project Revolution“ mit einem Bündel von Shows zum ersten Mal nach Europa gebracht, und der Auftritt in Milton Keynes war ein ganz besonderer, der größte „Project Revolution“-Gig, den wir bislang gespielt haben. Jay-Z hat für uns eröffnet und wir haben ein paar Songs mit ihm gespielt – es war eine sehr aufregend arrangierte Show, und deswegen haben wir auch die Kameras mitgebracht.

Was ist auf der CD und was auf der DVD?

Die CD ist von der Zeit her etwas beschränkter – man hat ja nur 70 und ein paar Minuten. Auf der DVD gibt es dann verstecktes Material, das all die Song enthält, die auf der CD fehlen. Im Prinzip ist alles, was auf der CD ist, auch auf der DVD, die zudem noch das fehlende Material enthält. Das musst du aber erst mal finden (lacht), es ist versteckt!

Wo ist das Bonusmaterial versteckt?

Sag ich nicht!

Wie wählt ihr bandintern die Tracks aus und z. B. den Namen der CD?

Das ist ziemlich kompliziert und funktioniert auf jeder Tour und bei allen Sachen unterschiedlich. Ich kann aber eine interessante Sache darüber sagen, wie der Name des DVD-Pakets gewählt wurde: Wir sind generell nicht sehr gut darin, Dinge zu benennen, und daher hatte die DVD anfangs auch den Namen „Linkin Park Live at Milton Keynes“. Wir wollten natürlich etwas Cooleres, und daher haben wir unsere Fans online aufgefordert, sich einen Namen dafür auszudenken und dann darüber abzustimmen, welcher ihnen am besten gefällt. Sie haben sich also etwas ausgedacht, abgestimmt und nun heißt das gute Stück „Road to Revolution“.

Was bedeutet der Name für dich?

Er beschreibt auf eine sehr coole Art das Wesen dieser Tour. Das war das erste europäische Standbein von „Project Revolution“, und wir haben diese Shows gespielt, kurz bevor wir die zweimonatige US-Version von „Project Revolution“ angegangen sind.

Es hört sich so an wie ein Soundtracktitel für die heutige Zeit mit Finanz-Chaos und...

Für mich ist das definitiv bezeichnend für das Energie-Level und die Begeisterung, die die Menschen verspüren, wenn sie Dinge verändern können. Darum ging es nicht in unserer Show, aber ich stimme dir dahingehend zu, dass die Leute deswegen einfach aus dem Häuschen waren. In unserer Show gibt es gewisse Momente, bestimme Songs, zu denen die Leute eine Beziehung haben – die sozialen oder politischen Aspekte dessen, was zu Hause abgeht. Und das ist durchaus beabsichtigt: Auf „Minutes to Midnight“ wollten wir einige dieser Dinge ansprechen – so, dass die Leute etwas damit anfangen können, wie auch immer das letztlich aussehen mag. Wenn du einen unserer Songs hörst, ist die Bedeutung, die du daraus ziehst, vermutlich eine andere als die, die ich daraus ziehe. Ich glaube, dass keine davon richtig und keine davon falsch ist. Egal, worauf du den Song beziehen willst – genau davon handelt er auch.

Wo nehmt ihr die Energie her für eure Arbeit?

Wir sind sehr glücklich über die Beziehung zu unseren Fans. Die Anfangszeit von „Minutes to Midnight“ war für uns sehr unsicher – wir waren sehr lange weg gewesen, wussten nicht, was die Fans denken würden, und waren uns im Klaren darüber, dass wir ein Album gemacht hatten, dass ein wenig anders klang als die davor. Wir hatten keine Ahnung, ob uns die Leute damit eine Chance geben, ob sie es überhaupt hören, und wenn ja, ob sie es dann mögen würden. Und jetzt haben wir das alles hinter uns gebracht und sind dankbar dafür, dass alle noch mit an Bord sind. Okay, sicher nicht alle, vielleicht sind einige nicht mehr dabei, aber dafür sind neue hinzugekommen, die unseren Sound mögen. Es läuft alles sehr gut im Moment.

Auf meiner Website mikeshinoda.com poste ich viel über die aktuellen Geschehnisse innerhalb der Band und über musikalische Ideen. Dort diskutieren wir auch viel darüber, wie wichtig es ist, eine Band, die man mag, zu unterstützen, zu ihren Shows zu gehen und ihr neues Album zu kaufen, anstatt es einfach nur runterzuladen. Das ist natürlich ein sehr komplexes Thema – ich kann ja nichts dagegen tun, wenn sich jemand das Album illegal runterlädt. Aber die Essenz der Diskussion war: Wenn du an etwas glaubst und willst, dass es weiter besteht, solltest du es unterstützen, in unserem Fall die CDs kaufen und zu den Konzerten gehen. Aber das kann man nicht nur auf Musik, sondern auch auf alles andere beziehen – selbst auf ein paar Sneakers. Wir wissen es zu schätzen, dass sich die Leute dazu entschieden haben, zu unseren Shows zu kommen und unsere Alben zu kaufen.

Du hast einen sehr engen Kontakt zu deinen Fans, warum?

Ich weiß nicht, wie ich das näher ausführen soll. In den letzten Monaten habe ich jeden Tag gebloggt – immer, wenn ich etwas zu sagen hatte, habe ich es in meinem Blog getan. Das ist eigentlich sehr simpel und folgt keinem großen Marketing-Konzept, da wir oft keinem bestimmten Schema folgen, sondern manchmal einfach nur ein paar lustige Videos weiterleiten oder so. Ich treibe auf mikeshinoda.com mein „Unwesen“, und alle wichtigen Band-Infos findet man auf linkinpark.com – wir bemühen uns einfach nur, die Fans immer auf dem neuesten Stand zu halten.

Hörst du manchmal noch “Live in Texas”, eure erste Live-CD?

Das habe ich ehrlich gesagt länger nicht getan. Das wäre mal ein gutes Experiment – „Road to Revolution“ mit „Live in Texas“ zu vergleichen (lacht).

Was hat sich bei eurem Live-Spiel verändert?

Wir sind natürlich immer darauf bedacht, besser in dem zu werden, was wir tun. Am Anfang des Tour-Zyklus, als „Minutes to Midnight“ gerade rausgekommen war, haben wir ein paar Wochen lang jeden Abend das gleiche Set gespielt und es irgendwann durch ein neues ausgetauscht. Um uns selbst herauszufordern, haben wir uns aber irgendwann entschlossen, mit verschiedenen Sets zu arbeiten, und am Ende des Zyklus haben wir schließlich drei verschiedene Sets gespielt, die wir regelmäßig durchgewechselt und nach ein paar Wochen durch drei andere ersetzt haben. Es gibt Passagen im Set, in denen wir improvisieren – an einigen Tagen kamen wir zur Show und haben uns spontan entschlossen, etwas für nur diesen einen Abend oder aber für die nächsten Konzerte zu verändern oder auszutauschen. Dadurch haben wir die Shows für uns selbst, aber auch für unsere Fans überraschend und abwechslungsreich gemacht – wenn einige Fans also zu mehreren Linkin-Park-Konzerten kommen wollen, sehen sie niemals die gleiche Show zweimal. 

Wie ist die “Project Revolution”-Tour in Europa gelaufen?

Glücklicherweise hervorragend – das ist ein guter Startschuss, um hoffentlich in Zukunft noch mehr „Project Revolution“-Touren an den Start zu bringen. Als wir die Tour ins Leben gerufen haben, wollten wir sie einmal um die Welt tragen, und diesem Ziel sind wir nun hoffentlich ein Stückchen näher gekommen.

Was sehen wir auf der DVD?

Wir wollten den Fokus einfach nur auf der Show belassen. Ich denke, sie wurde wunderschön eingefangen, und wir haben natürlich unser Bestes gegeben, um die Energie des Konzerts rüberzubringen. 

Wie ist es, immer mal wieder mit Jay-Z auf der Bühne zu stehen?

Wir haben noch nicht so viele Shows zusammen gespielt – wenn wir also die Chance haben, auf der Bühne etwas von der „Collision Course“ zu spielen, haben wir wirklich Spaß daran.

Woran arbeitest du gerade?

Wir sind gerade im Studio und arbeiten an einem neuen Linkin-Park-Album. Wirklich viel kann ich darüber aber noch nicht sagen. Wir versuchen, uns bei Laune zu halten und die Spannung hoch zu halten, und das funktioniert bislang bestens. Wir haben so viele Songs, dass ich echt keine Ahnung habe, welche davon es auf das Album schaffen werden. In Anbetracht der Tatsache, dass wir so viele, viele Songs haben, könnten allein durch die Auswahl wirklich sehr unterschiedliche Alben entstehen. Alles, was ich sagen kann, ist, dass wir uns ständig vor neue Herausforderungen stellen und frische, interessante Songs machen wollen. Ich hoffe, wir können das neue Album schon 2009 veröffentlichen.

Jeder kennt die Metallica-Doku – wie läuft es bei euch im Studio ab?

Wahrscheinlich sehr viel langweiliger (lacht). Es gibt weniger Kämpfe, weniger Drama und wahrscheinlich einfach weniger Gerede. Eigentlich schreiben wir nur – und schreiben und schreiben. Bei „Minutes to Midnight“ hatten wir seinerzeit 150 Demos, aus denen wir dann zwölf ausgewählt haben. Einige der übrig gebliebenen werden wir vielleicht noch mal anfassen, andere nicht. Jedes Mal, wenn wir an diesem Punkt ins Studio gehen, versuchen wir, dass alle zusammenarbeiten, damit jeder der Jungs Input geben kann und das Gefühl hat, etwas zum Album beizutragen, auch wenn er einen Part vielleicht nicht selbst spielt. Wenn ich zum Beispiel einen Gitarrenpart schreibe und ihn dann Brad vorspiele, sagt er ‚Das gefällt mir, aber diesen einen Teil könntest du noch mal ändern’ – und dann haben wir beide ein gutes Gefühl, weil wir beide daran beteiligt waren, auch wenn er den Part nicht gespielt hat. Andersherum lasse ich es die anderen natürlich auch wissen, wenn ich eine Idee zu etwas habe, was sie geschrieben haben. Dadurch sind wir alle in dieser Phase irgendwie miteinander verbunden.

Was ist dein liebster Arbeitsplatz?

Der ist eigentlich überall. Im Moment bin ich sehr aufgeregt, im Studio zu sein, weil wir schon lange nicht mehr dort waren. Wenn wir dann aber lange im Studio gewesen sind, nehmen wir uns gern wieder eine Auszeit oder spielen ein paar Shows. Es hängt also davon ab, an welchem Tag man uns diese Frage stellt.

Hast du ein Hobby, das dich entspannt von deiner Arbeit?

Auf jeden Fall! Ich habe schon von klein auf gezeichnet und gemalt, und manchmal mache ich ein paar Kunstshows. Im Januar habe ich zum Beispiel eine in L.A. und werde natürlich Bilder davon auf meiner Website posten. Wenn sich jemand für die Artworks, die ich mache, interessiert, findet er das ebenfalls auf mikeshinoda.com

Wie waren die deutschen Shows während der Tour?

Die Deutschland-Gigs waren schon immer absolut energetisch. Das deutsche Publikum ist nahezu athletisch, sie kommen wirklich auf Touren und bewegen sich sehr viel. Das gefällt uns natürlich sehr gut, denn dadurch geben wir auch auf der Bühne mehr Gas. Wir haben schon viel in Deutschland getourt und spielen dort, so oft wir können. Ich kann ehrlich sagen, dass das eins der Länder ist, auf die wir uns immer am meisten freuen.

Die Zukunft von Linkin Park und Mike.

Ich habe keine Ahnung. Ich weiß, dass das nächste Album nicht einfach nur ein ganz normales Album werden wird. Ich möchte etwas Größeres als das, etwas Interessanteres, weil es mit dem Internet und den verschiedenen anderen Medien inzwischen so viele Möglichkeiten gibt, etwas zu machen, das ein wenig interaktiver ist. Wir hoffen, dass wir etwas in dieser Art machen können, und geben euch weitere Informationen, sobald wir mehr wissen!

Danke und Ciao

Das war toll – vielen Dank und Tschüss.

Bewertung

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