Road To Revolution, Live At Milton Keynes
Nach „Meteora” gelang Linkin Park auch mit „Minutes To Midnight” der Hattrick und sie belegten in den USA, Großbritannien und Deutschland den ersten Platz der Charts. Die Verbindung aus Metal und Rap funktioniert also weiterhin und man kommt unweigerlich zu den Schubladen Nu Metal und Crossover, wenn man ihren Stil zu beschreiben versucht. Allerdings hatte gerade der aktuelle Longplayer daneben recht alternative Momente und die Fronter Chester Bennington und Mike Shinoda wechselten sich eher songweise in der Leadstimme ab, statt sich wie bisher während der Tracks das Mikro hin und her zu geben.
Im Sommer 2007 gab es Auftritte bei Rock am Ring, Rock im Park und Live Earth – doch die 2008er Tour sollte alles bisherige in den Schatten stellen. Ausverkaufte Gigs allerorten, Band und Fans in Feierlaune. Vor allem das Konzert vor 50.000 Zuschauern in der traditionsreichenn National Bowl des britischen Städtchens Milton Keynes sollte zum Triumphzug werden. Wie Bennigton selbst sagt: „Es war einer dieser Abende, an denen Band und Publikum eine Einheit bilden, und wir wollen diese Erfahrung mit allen Fans teilen, die in dieser Nacht nicht selbst dabei sein konnten.“ Das tun Linkin Park standesgemäß in Form eines Livemitschnitts der Show, der als eleganter Digipack daherkommt und uns das Konzert in CD- und DVD-Form miterleben lässt. Das schöne Artwork wird durch ein 20seitiges Booklet bereichert, das mit einer Reihe von Fotos aus Milton Keynes aufwartet und erste Eindrücke der genialen Stimmung bietet.
Vor gigantischer Kulisse startet das Konzert am 29. Juni 2008 mit dem druckvollen „One Step Closer“ und zeigt uns einen Chester Bennington, der sich vom ersten Song an stimmlich völlig verausgabt. „From The Inside“ gefällt in alter Tradition als schönes Arrangement mit Spoken-Words-Passagen. Neben der kraftvollen musikalischen Performance macht es einfach Spaß, die Jungs auf der Bühne zu sehen. Der militärisch anmutende Schlagzeugsound von „No More Sorrow“, die prägnanten Gitarrenriffs in „Given Up“ und „Hands Held High“ als emotional gehaltenes Intro führen zu „Leave Out All The Rest“ – sowohl gesanglich als auch emotional einer der Höhepunkte des Gigs.
Leider nerven im DVD-Format die schnellen, chaotischen Bildschnitte gepaart mit verwackelten Aufnahmen. Das soll wohl Kunst sein – bereitet aber keineswegs Sehvergnügen. Mit dem ruhigeren Teil des Konzerts wird aber zum Glück auch die Kameraführung relaxter. In „The Little Things You Give Away“ beweist sich Mike Shinoda einmal mehr als Mann für die sanften Töne. Diese zweite Seite der Band bietet das äußerst stimmungsvolle „Shadow Of The Day“ und die Pianoballade „Pushing Me Away“, bevor „What I’ve Done“ wieder härtere Töne anschlägt. Als Gast findet Rapper Jay-Z den Weg zur Band und man liefert gemeinsam eine alternative Version von „Numb“ und „Jigga What / Faint“ vom gemeinsamen Album „Collision Curse“. Als Höhepunkt bringt schließlich „Bleed It Out“ die geballte Power der Band zurück.
Ein Mitschnitt, der beim Anhören und Ansehen sehr großen Spaß macht und die brillante Livestärke der Band hervorragend wiedergibt. Leider bietet die DVD kaum Bonusmaterial, doch wer den Abspann bis zum Schluss durch schaut, wird mit den Hidden Tracks „Somewhere I belong“, „Papercut“ und „Points Of Authority“ belohnt. Alles in allem ein Fest für Fans sowie Neuentdecker und ein wichtiges Mosaiksteinchen auf dem Weg einer der besten Rockbands der Gegenwart.
Von: Andreas Weist


